Seit einigen Jahren wird die St. Stephani-Kirche in Calbe umfangreich saniert. Mit der Instandsetzung der Außenfassade rückte zuletzt auch der dort befindliche Figurenkranz in den öffentlichen Blick: 14 steinerne Chimären porträtieren, was die christliche Kirche lange Zeit für einen teuflischen Ausdruck von Sünd- und Lasterhaftigkeit hielt. Diese schrieb man jeher auch Jüdinnen und Juden zu. Eine der Figuren, die auf obszöne Weise einen Rabbiner mit einem Schwein abbildet, verweist auf eines der ältesten Motive des christlichen Judenhasses. Um den Verbleib der Chimäre wurde seitdem viel gestritten: Sollte man sie an Ort und Stelle belassen und dort adäquat kommentieren? Oder ist die Beleidigung, die von der Plastik ausgeht, nicht auch heute noch zu sehr präsent, als dass sie vor Ort verbleiben kann? Der Gemeindekirchenrat in Calbe und die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt möchten die Diskussionen um den Umgang mit der judenfeindlichen Schmähplastik zum Anlass nehmen, die Auseinandersetzung mit den Themen Antijudaismus und Antisemitismus mit einer Vortragsreihe zu begleiten. Angesichts des noch immer grassierenden Antisemitismus scheint es wichtiger denn je, über antijüdische Bildwerke, ihren historischen Kontext und ihre Bedeutung für die Gegenwart ins Gespräch zu kommen.
Vortragsreihe zur judenfeindlichen Schmähplastik an der St. Stephani-Kirche in Calbe
Der Eintritt ist frei.
Zeit: 20. Oktober 2022 um 18:00 - 20:00
Ort: Kirche St. Stephani, Calbe
Zur Veranstaltung bei der Akademie