Wo gesellschaftliche Risse auftauchen und wo Kitt zu Zusammenhalt beitragen soll, lässt sich im öffentlichen Raum besonders deutlich beobachten. Auf Straßen, Plätzen, in Parks oder Passagen verdichten sich Konflikte um Zugehörigkeit, Sichtbarkeit und Ressourcen – und zugleich entstehen dort Begegnungen, Aushandlungen und (manchmal) neue Formen von Zusammenhalt und kollektiver Aneignung. Politische Bildung im öffentlichen Raum setzt genau hier an: Sie nutzt die Risse als Lernanlass, um Machtverhältnisse, Ausschlüsse und Deutungskämpfe sichtbar und diskutierbar zu machen – und sie arbeitet zugleich an dem, was „Kitt“ sein kann: an Gesprächsfähigkeit, Perspektivwechsel, demokratischer Urteilsbildung und praktischer Teilhabe.
Welche Bildungsformate im öffentlichen Raum dabei plausibel, legitim und wirksam erscheinen, hängt davon ab, welches Demokratie- und Öffentlichkeitsverständnis ihnen zugrunde liegt. Zum einen wird öffentlicher Raum als Infrastruktur demokratischer Selbstverständigung gelesen: Begegnung, Gespräch und die Suche nach gemeinsamen Gründen und solidarischer Praxis stehen im Vordergrund. Zum anderen ist öffentlicher Raum Ausdruck materialisierter Machtverhältnisse und Austragungsort politischer Konflikte um Sichtbarkeit, Anerkennung und Teilhabe. Politische Bildung steht damit vor der Frage, wie sie demokratische Verständigung ermöglicht, ohne Ungleichheit zu ignorieren und Dissens zu neutralisieren. Und wie sie Konflikte und Machtverhältnisse bearbeitet, ohne kommunikative Verständigungsansprüche und die Chance auf Perspektivwechsel preiszugeben. Daraus ergeben sich unterschiedliche didaktische Konsequenzen.
Die Tagung „Politische Bildung im öffentlichen Raum“ (28./29. September 2026, Kassel) nimmt diese Spannungen zum Ausgangspunkt. Sie fragt danach, welche Potenziale politische Bildung im öffentlichen Raum entfalten kann – und welche Grenzen, Dilemmata und Verantwortlichkeiten dabei sichtbar werden. Im Fokus stehen politikdidaktische Begründungszusammenhänge ebenso wie professionelle Selbstverständnisse und konkrete Praxisformen: außerschulische Lernarrangements, aufsuchende Formate, ästhetisch-kulturelle Zugänge und Interventionen, die Öffentlichkeit nicht nur adressieren, sondern in Prozessen politischer Bildung auch herstellen, irritieren oder neu rahmen.
Die zweitägige Veranstaltung lädt Akteur*innen aus Politikdidaktik, Sozialer Arbeit, non-formaler politischer Bildung sowie aus Kunst, Kultur und kultureller Bildung ein, theoretische Prämissen ihrer Arbeit zu diskutieren und daraus Perspektiven für die Praxis abzuleiten. Ziel ist es, unterschiedliche Handlungskontexte miteinander ins Gespräch zu bringen, Querbezüge sichtbar zu machen und politische Bildung im öffentlichen Raum interdisziplinär weiterzuentwickeln. Insbesondere möchten wir ausloten, inwiefern und an welchen Stellen Öffentlichkeitsverständnisse leitend sind und jeweils Potentiale für Methoden, Formate und Lernprozesse entfalten.
Eine gemeinsame Fachtagung der Ev. Akademie Hofgeismar, der Ev. Akademie zu Berlin, dem Verein Stadtrundgangster e.V., dem Fachgebiet Didaktik der politischen Bildung | Universität Kassel und der Ev. Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung.
Save the Date: Die Anmeldung ist ab Juni hier auf dieser Seite möglich.
Zeit: 28. September - 29. September
Ort: Kassel
Veranstalter: Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung, 030/28 39 54 43, office@politische-jugendbildung-et.de
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