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Online: «Die Kinder des Reiches werden hinausgestoßen» – Carsten Jochum-Bortfeld über die christliche Enterbungslehre

8. Dezember um 19:00 Uhr - 20:30 Uhr

Wie lassen sich die biblischen Geschichten ohne antijüdische Projektionsmuster erzählen? In unserer Reihe antisemitismuskritischer Bibelauslegungen spricht Carsten Jochum-Bortfeld anhand von Matthäus 8,12 über die Enterbungslehre in der christlichen Theologie.

Matthäus 8,12 wurde lange Zeit als biblischer Belegtext dafür angeführt, dass Israel seinen Status als Volk Gottes verloren habe: Israel habe nicht erkannt, dass Jesus der von Gott gesandte Messias sei; es sei sogar schuld am Tod Jesu. Zur Strafe enterbt Gott das Volk Israel und setzt die heidenchristliche Kirche an dessen Stelle als das Neue Volk Israel.

Carsten Jochum-Bortfeld wird zeigen, dass die Enterbungslehre der christlichen Theologie auf einer böswilligen Instrumentalisierung solcher Bibeltexte beruht. Diese Texte waren eigentlich Teil eines innerjüdischen Konfliktes im 1. Jahrhundert n. Chr. Aufgabe christlicher Theologie ist es zunächst, zu erkennen, worum es in diesem Konflikt ging. Mit Zeugnissen dieses vergangenen Konfliktes gilt es in der Gegenwart vorsichtig und reflektiert umzugehen.

In unserer Reihe antisemitismuskritischer Bibelauslegungen stellen renommierte sowie junge Exeget*innen neue Bibelauslegungen vor, die der tradierten Stereotypisierung von Juden, Jüdinnen und Judentum entgegentreten. Klischeehafte christliche Vorstellungen wirken oft bildhaft im säkularisierten Antisemitismus weiter: der alttestamentarische Gesetzesglauben; der Rachegott, der Blutopfer als Sühne verlangt und Beschneidung anordnet; der eine bestimmte Gruppe auserwählt (Kirche oder Synagoge) und dessen Verheißungen Nationalismus und Kolonialismus schüren.

In wissenschaftlich fundierten, aber leicht zugänglichen Auslegungen bestimmter Textpassagen hinterfragen wir diese karikierenden Vorstellungen jeden zweiten Donnerstag im Monat. Die Exeget*innen schneiden dabei die antijüdische Rezeptionsgeschichte kurz an, entwickeln aber vor allem neue, kreative und lebendige Verständnismöglichkeiten, in denen die Schrift in ihrer Tiefe und Mehrdimensionalität neu zur Geltung kommt. Die Vorträge sollen Lust machen, das Potenzial biblischer Texte neu zu entdecken und zu zeigen, wie sehr wir davon profitieren, wenn wir sie mit der jüdischen Tradition und nicht gegen sie lesen.

Dr. Carsten Jochum-Bortfeld ist Professor für Neues Testament am Institut für Evangelische Theologie der Universität Hildesheim. Neben sozialgeschichtlicher Bibelauslegung gehört der Antisemitismus in theologischen Wissenschaftskulturen zu seinen Forschungsschwerpunkten. Er arbeitet im Vorstand des Vereins Bibel in gerechter Sprache mit. Buchveröffentlichung: Paulus in Ephesus. Eine Entdeckungsreise in die Zeit des Neuen Testaments, Gütersloh 2021.

Details

Datum:
8. Dezember
Zeit:
19:00 Uhr - 20:30 Uhr
Website:
Website zur Veranstaltung

Veranstalter

Evangelische Akademie zu Berlin
Telefon:
030/203 55-0
E-Mail:
eazb@eaberlin.de
Website:
http://www.eaberlin.de/