Evangelische Akademien Deutschland

Vergessene Geschichte(n)

NS-Unrecht in Osteuropa und antiosteuropäischer Rassismus

Ziel des Projekts ist die partizipative Realisierung einer hybriden Ausstellung, die die Perspektiven der Opfer des „Generalplan Ost“ und ihrer Nachkommen auf die NS-Verbrechen in Osteuropa zeigt. Sie informiert über rassistische Ideologien, die zum Vernichtungskrieg geführt haben und bis heute nachwirken. Sie wird an mehreren Orten in Deutschland gezeigt und durch Bildungsveranstaltungen begleitet.

Projektprofil

Das Vorhaben

Im Rahmen des Projekts wird eine Ausstellung erarbeitet, die antiosteuropäischen Rassismus als Ausdruck und Folge einer jahrhundertealten, insbesondere von Deutschland ausgehende (Kolonial-)Geschichte versteht. Die Ausstellung soll den bis heute wirksamen deutschen Narrativen über Osteuropa als rückständiger Region und der daraus folgenden Notwendigkeit einer „Zivilisierung des Ostens“ auf den Grund gehen. Es gilt, den Plan der „Germanisierung“ Osteuropas als nationalsozialistisches Projekt in diesen Kontext zu stellen und die systematische Vertreibung und Vernichtung der ansässigen Bevölkerung in den Fokus zu rücken. Im Zentrum steht der „Generalplan Ost“, dessen Expansions- und Vernichtungsvisionen in Polen und der Sowjetunion in Teilen umgesetzt wurden. Durch Lernen an Biografien werden unterschiedliche Opferperspektiven empathisch aufgenommen und historische Kontexte erfahrbar gemacht. Darüber soll eine Auseinandersetzung über Kontinuitäten gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, insbesondere dem antiosteuropäischen Rassismus, auch in der Gegenwart erfolgen. Begleitveranstaltungen zur Ausstellung werden diese Themen zielgruppengerecht vertiefen.

Erinnerungskultur

Dass der Krieg gegen die Sowjetunion ein rassenideologisch geführter Vernichtungskrieg war, gilt in der historischen Forschung als unbestritten. Gleichwohl gibt es keine Erinnerungskultur, die die Opfer des Generalplans Ost als solche benennt. Ihre Subsummierung als „Kriegsopfer“ wird dem Ausmaß des NS-Verbrechens nicht gerecht. Das kulturelle Konzept Mitteleuropas verstand den Osten Europas als einen zu erobernden und zu zivilisierenden Raum. In der nationalsozialistischen Rede vom „slawischen Untermenschen“ verdichtete sich diese Tradition zu mörderischer Wirkung. Der Kern abwertenden Denkens gegenüber Osteuropa blieb auch nach 1945 erhalten und die lange Tradition von Ressentiments gegenüber Menschen mit osteuropäischer Migrationsgeschichte in Deutschland setzte sich fort. Seit 2022 gewinnt sie durch ukrainische Kriegsflüchtlinge eine zunehmende Bedeutung, ohne dass dies im Bewusstsein der deutschen Bevölkerung zu Tage tritt. Insofern möchten wir mit Mark Terkessidis von der Notwendigkeit einer „Osterweiterung der Erinnerung“ sprechen.

Beteiligung von Menschen mit osteuropäischer Migrationsgeschichte

Mit einem Anteil von 40% bilden die in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationsgeschichte aus dem östlichen Europa die größte Migrantengruppe. Sie sind struktureller und individueller Diskriminierung ausgesetzt. Ihre Perspektiven auf Geschichte und Gegenwart werden für die geplante Ausstellung zentral sein.

Indem die geplante Ausstellung authentische Biografien und individuelle Geschichten als Ausgangspunkt nimmt, werden neue Narrative evoziert, die einseitige Sichtweisen unterlaufen, die Perspektiven der Opfergruppen stärken und ihre Vielfalt sowie die lokalen Auswirkungen der NS-Ideologie in den Fokus rücken. Durch partizipative Ansätze werden Betroffene, Nachfahren und nationale Communities einbezogen. Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit ermöglicht Anknüpfungspunkte, um die Relevanz der NS-Verbrechen für aktuelle gesellschaftliche Debatten zu erklären.

Die Ausstellung wird mit Methoden des „Forschenden Lernens” maßgeblich von jungen Menschen erarbeitet und multimedial auf die Interessen junger, diverser Zielgruppen orientiert. In den Veranstaltungen knüpfen partizipative Lern- und Gesprächsmethoden, die vom Konstrukt einer geschichtsbewussten Empathie (gbE) (Habig 2025) getragen werden, sowohl an jugendliche (digitale) Lebenswelten als auch an pädagogische Professionalisierungsbedarfe an. Biografische Methoden ermöglichen die multiperspektivische, auch emotionale Reflexion der eigenen Familiengeschichte und stimulieren empathisches, solidarisches Handeln.)

Kooperationspartner

CineMova Ukrainian Empowerment Network e.V. ist ein unabhängiges Netzwerk von Menschen mit ukrainischer Migrationsgeschichte in Berlin, das aus einer 2009 gegründeten Initiative hervorgegangen ist und sich für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte einsetzt.
Durch Empowerment-Projekte, politische Bildungsangebote und kulturelle Formate machen der Verein ukrainische Geschichte, Migrationserfahrungen und Gegenwart sichtbar und schaffen Räume für Austausch, Beteiligung und gesellschaftliche Mitgestaltung.

 

Die Stiftung Kreisau ist eine gemeinnützige, polnische Nichtregierungsorganisation. Die Initiatoren waren vor allem Polen und Deutsche, Katholiken und Protestanten, die die Teilung Europas in Folge des Zweiten Weltkriegs überwinden wollten und denen es wichtig war, Räume zu schaffen, in denen sich europäische Beziehungen auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt, Dialog und Bereitschaft zur Versöhnung entwickeln könnten.

Die Stiftung Kreisau verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der historisch politischen Jugendbildung und insbesondere auch in internationalen Begegnungsformaten.

 

Die Evangelische Akademie der Nordkirche, die Evangelische Akademie zu Berlin sowie die Evangelische Akademie Frankfurt werden die Ausstellung zeigen und geeignete Bildungsveranstaltungen konzipieren und durchführen.

 

 

 

freigegeben durch MM an 05.10.26

 

 

 

 

 

Ausschreibung - Call for Participation

Call for Participation: Erarbeitung der Ausstellung Vergessene Geschichte(n)

Projekttitel: Vergessene Geschichte(n): NS-Unrecht in Osteuropa und antiosteuropäischer Rassismus
Wen wir suchen: Junge Menschen bis 30 Jahre (mit und ohne osteuropäische Familiengeschichte)

Das Projekt

Die Evangelischen Akademien in Deutschland e. V. planen in Kooperation mit CineMova Ukrainian Empowerment Network e. V. und der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung die Erarbeitung der Ausstellung.

 „Vergessene Geschichte(n):
NS-Unrecht in Osteuropa und antiosteuropäischer Rassismus“.

Die Projektmittel werden vom Bundesministerium der Finanzen (BMF) im Rahmen der von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft (EVZ) umgesetzten „Bildungsagenda NS-Unrecht“ zur Verfügung gestellt.

Ziel des Projekts ist die Erarbeitung einer Ausstellung, die antiosteuropäischen Rassismus als Ausdruck und Folge einer jahrhundertealten, insbesondere von Deutschland ausgehende (Kolonial-)Geschichte versteht. Die Ausstellung soll den bis heute wirksamen deutschen Narrativen über Osteuropa als rückständiger Region und der daraus folgenden Notwendigkeit einer „Zivilisierung des Ostens“ auf den Grund gehen. Es gilt, den Plan der „Germanisierung“ Osteuropas als nationalsozialistisches Projekt in diesen Kontext zu stellen und die systematische Vertreibung und Vernichtung der ansässigen Bevölkerung in den Fokus zu rücken. Im Zentrum steht der „Generalplan Ost“, dessen Expansions- und Vernichtungsvisionen in Polen und der Sowjetunion in Teilen umgesetzt wurden. Durch Lernen an Biografien werden unterschiedliche Opferperspektiven empathisch aufgenommen und historische Kontexte erfahrbar gemacht. Darüber soll eine Auseinandersetzung über Kontinuitäten gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, insbesondere dem antiosteuropäischen Rassismus, auch in der Gegenwart erfolgen.

Deine Aufgaben in der Arbeitsgruppe

  • Spurensuche: Erschließe über (archivierte) Interviews, Briefe, Fotos und Ego-Dokumente die Perspektiven der Opfer und ihrer Nachkommen.
  • Biografisches Arbeiten: Bring eigene Erfahrungen ein und verknüpfe persönliche oder nationale Familiengeschichten mit dem historischen Kontext.
  • Multimediales Ausstellungskonzept: Gestalte moderne Vermittlungsformate, die an digitale Lebenswelten junger, diverser Zielgruppen anknüpfen.
  • Bildungsarbeit: Entwickle partizipative Lernmethoden für die Begleitveranstaltungen der Ausstellung weiter.

Wen suchen wir?

  • Du bist maximal 30 Jahre alt
  • Du studierst oder stehst schon im Berufsleben
  • Du hast Interesse an Geschichte, Antisemitismus, Antirassismus, Erinnerungskultur und Politischer Bildung
  • Du hast Lust auf „Forschendes Lernen“ im Team und willst aktiv mitgestalten.
  • Da wir eine diverse Gruppe anstreben, sind Perspektiven von Menschen mit Bezügen zu osteuropäischen Communities besonders willkommen – aber absolut kein Muss!

Termine & Zeitaufwand

Die Arbeitsgruppe läuft über einen Zeitraum von etwa 15 Monaten / November 2026 bis März 2028].

  • Präsenz-Workshops: Geplant sind vier gemeinsame 2-tägige Workshop
  • Weitere Treffen: online oder nach Bedarf auch in Präsenz
  • Eröffnung: Die Ausstellung startet voraussichtlich im Frühjahr 2028].

Rahmenbedingungen & Vergütung

  • Aufwandsentschädigung: Dein Engagement wird auch finanziell honoriert. Für die aktive Mitarbeit in der Arbeitsgruppe erhältst du eine Aufwandsentschädigung/Honorar von insgesamt 1000 €.
  • Fahrt- & Übernachtungskosten: Für unsere analogen Treffen und Workshops werden deine Reisekosten (DB, 2. Klasse) sowie eventuelle Übernachtungskosten komplett vom Projekt übernommen.
  • Zertifikat: Nach Abschluss des Projekts erhältst du eine ausführliche Teilnahmebestätigung, die auch als Pflichtpraktikum (z.B. im Rahmen Deines Studiums) anerkannt wird.

Schicke Deine Bewerbung mit Lebenslauf und Motivationsschreiben bis zum 11.10.2026 an:

Dr. Viola Beckmann [beckmann@evangelische-akademien.de]

Download der Ausschreibung

Projektteam

EAD

  • Beckmann, Viola

    Dr. Beckmann, Viola

    Projektkoordinatorin "Vergessene Geschicht(en): NS-Unrecht in Osteuropa und anti-osteuropäischer Rassismus, Geschäftsstelle Evangelische Akademien in Deutschland e. V.

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  • Schramm, Nikola

    Schramm, Nikola

    Buchhaltung, Geschäftsstelle Evangelische Akademien in Deutschland e. V.

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Ansprechpartner in den Akademien

Kooperationspartner

      Förderung

      Das Projekt wird aus Mitteln des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) gefördert und im Rahmen des Förderprogramms Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) umgesetzt.

      Laufzeit: 01.09.2026 – 31.08.2028