Evangelische Akademien Deutschland

Protestantisch. Weltoffen. Streitbar.

Die Evangelischen Akademien in Deutschland

Netzwerkprojekt der Evangelischen Trägergruppe

Alles Glaubenssache?

Prävention und politische Bildung in einer Gesellschaft der Diversität

Im Projekt «Alles Glaubenssache?» entwickelt die Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung Konzepte und Maßnahmen, um religiös begründetem Extremismus unter Jugendlichen vorzubeugen. Es lädt Jugendliche ein, über die Rolle von Religion in unserer Demokratie nachzudenken, und stärkt diejenigen, die extreme Ansprachen erkennen und sich aktiv dagegen zu Wehr setzen wollen. In Kooperation mit Jugendmigrationsdiensten (JMD), Schulen, konfessionellen und nicht-konfessionellen Partnern werden zeitgemäße, ressourcenorientierte Ansätze entwickelt. «Alles Glaubenssache?» richtet sich dabei an alle Jugendlichen, unabhängig von Religion und Herkunft, sowie an Multiplikator*innen der Jugendsozialarbeit, aus Schulen und aus der politischen Jugendbildung.

Projektprofil

«Alles Glaubenssache? Prävention und politische Bildung in einer Gesellschaft der Diversität» ist ein Projekt der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert. Das Projekt verfolgt einen primärpräventiven und ressourcenorientierten Ansatz. Es zielt darauf, die Selbstreflexion von Jugendlichen zu schulen und ihnen zu ermöglichen, sich in demokratischen Aushandlungsprozessen zu üben und eigene Positionen auch gegenüber strukturell stärkeren Diskussionspartnern zu vertreten. Ins Zentrum dieser Selbstpositionierungen stellt die et dabei insbesondere das Sprechen und Nachdenken über die eigene Religiosität und die Rolle von Religion in unserer Demokratie. Darüber hinaus möchte das Projekt Multiplikator*innen die notwendigen Kenntnisse und Kompetenzen für mehr Sicherheit im Umgang mit extremen Meinungsäußerungen und problematischen Einstellungen unter Jugendlichen vermitteln.

et-Netzwerk für Prävention

Am Projekt «Alles Glaubenssache?» sind neben der Bundesgeschäftsstelle drei Standorte aus dem Netzwerk der et beteiligt: die Evangelische Akademie Frankfurt, die Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern (EJSA Bayern) und die Evangelische Akademie Loccum. An diesen Standorten führt die et bis Ende des Jahres 2018 eine Reihe von Veranstaltungen zu Themenstellungen im Bereich politische Bildung, Prävention und religiös begründeter Extremismus durch. Es werden sowohl Veranstaltungen mit Jugendlichen als auch mit Multiplikator*innen konzipiert. Die et wird dabei vielfältige Formate umsetzen und auch explorative Veranstaltungen jenseits ausgetretener Pfade durchführen.

Positionen, Streit und Anerkennung

Der Projekttitel «Alles Glaubenssache? Prävention und politische Bildung in einer Gesellschaft der Diversität» bringt das Spannungsfeld zwischen Aushandlungsprozessen in einer Demokratie und unabhängig von dieser Ordnung begründeten Wertvorstellungen, Positionen und Meinungen zum Ausdruck. Für eine Demokratie ist es zentral, dass ihre Akteure bereit sind, ihre Positionen argumentativ zu begründen und im Diskurs zu verhandeln. Für ein erfolgreiches und friedliches demokratisches Miteinander müssen alle Teile einer Gesellschaft gewillt sein, sich demokratischen Entscheidungen auch dann zu unterwerfen, wenn diese ihrer eigenen Position widersprechen.

Demgegenüber ist die Aussage «Ich glaube das, aber…» als endgültige Begründung, um Gesetze oder politische Entscheidungen abzulehnen, im Kern antidemokratisch. Glaubenssätze, die als alleingültig und alternativlos angesehen werden, bilden die Grundlage für Schwarz-Weiß-Denken und darauf aufbauende Ideologien. Genau mit solchen eindimensionalen Ideologien werben extremistische Gruppierungen um Jugendliche.

Um derartigen Ansprachen zu begegnen, müssen Jugendliche diese nicht nur erkennen. Es ist ebenso wichtig, dass sie sich über ihre eigenen Anliegen klar werden, eigene Positionen entwickeln und im Austausch mit anderen reflektieren.

Primärprävention und politische Bildung

Jugendliche in unserer Gesellschaft sind durch extremistische Ansprachen gefährdet. Kontakte zu extremistischen Positionen und Argumentationen lassen sich allerdings nur bedingt unterbinden, auch weil die Grenzen legitimer Meinungsäußerungen weit sind und weit bleiben sollen. Mit dem Projekt «Alles Glaubenssache?» möchte die et Jugendliche zu einem reflektierten und eigenständigen Umgang mit unterschiedlichen extremistischen, insbesondere religiös begründete Ansprachen, befähigen. Diese Ansprachen sind vielfältig: Sie reichen von persönlichen Kontakten und alltäglichen Erfahrungen bis hin zu strategisch geplanter und professionell gestalteter Propaganda. Dementsprechend ist es für Jugendliche häufig eine Herausforderungen, diese richtig einzuordnen und angemessen darauf zu reagieren.

Politische Bildung ist auf individueller und gesellschaftlicher Ebene auf langfristige Wirkungen ausgerichtet. Für die Präventionsarbeit, die dem Problem extremistischer Ansprachen begegnet, ist deshalb eine ausführliche Auseinandersetzung mit den vielfältigen Ursachen extremistischer Einstellungen und Handlungen notwendig. Politische Bildung im Sinne einer Primärprävention richtet sich immer an alle Jugendlichen, unabhängig von Religion und Herkunft. Sie ist stärken- und ressourcenorientiert angelegt und darauf ausgerichtet, die Entwicklung einer demokratischen Haltung zu unterstützen. Zudem bearbeitet sie neben Themenstellungen im Bereich von Extremismus und Demokratie auch Erfahrungen von Ausgrenzung und Chancenungleichheit.

Die Maßnahmen der et nehmen die Jugendlichen nicht als potentielle Täter in den Blick, sondern suchen unter Jugendlichen und Multiplikator*innen eine möglichst breite und diverse Mehrheit zu stärken, die extreme Ansprachen erkennt und sich aktiv gegen sie zur Wehr setzt.

Wertekonflikte zwischen religiösen und rechtsstaatlichen Positionierungen?

Die et verfügt nicht nur über breite fachliche Expertise im Bereich der politischen Jugendbildung, sondern profitiert auch von der Einbindung und den Kompetenzen, Fachtagungen und Netzwerken der Studienleitungen und Profilstellen in den Evangelischen Akademien und in der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej). Als konfessioneller Träger hat sie eine besondere Verantwortung, aber auch eine ausgewiesene Expertise für eine Auseinandersetzung mit religiös begründeten Ansprüchen und Ideologien.

Die et bezieht Jugendliche und Multiplikator*innen aus unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften, aber auch solche ohne religiöse Bindung aktiv in Diskurse über die Gestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse ein. Denn demokratische, partizipative und einvernehmliche Lösungen sind nur dann zu erreichen, wenn alle Betroffenen die Möglichkeit haben, ihre Positionen einzubringen.

Thematische Schwerpunkte im Projekt umfassen:

  • Religion und Demokratie
  • Werte und Spielregeln
  • Strukturelle Ungleichheitsverhältnisse
  • Diskriminierung, Intersektionalität und antimuslimischer Rassismus
  • Kompetenz zum Umgang mit Diversität
  • Selbst-/Fremdzuschreibungen, (Mehrfach-)Zugehörigkeit
  • Empowerment und Selbstwirksamkeitserfahrungen

Partnerschaften und Netzwerke

Das Projekt findet in engem Zusammenhang mit dem Programm «Jugendmigrationsdienste an Schulen» (Respekt Coaches) statt, dessen zentrale Zielsetzung in einer Stärkung der Kooperation von Jugendmigrationsdiensten, Schulen und Akteuren der Präventionsarbeit und der politischen Bildung besteht. Die et wird daher ihre Angebote bedarfsorientiert in regionalen und bundesweiten Partnerschaften entwickeln und ihre Expertise der politischen Jugendbildung anderen Akteuren zur Verfügung stellen.

Veranstaltungen

Projektteam

Geschäftsstelle

  • Lorenzen, Hanna

    Bundestutorin für politische Jugendbildung / stellv. Generalsekretärin der Ev. Akademien in Deutschland, Ev. Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung

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  • Jantschek, Ole

    Pädagogische Leitung, Ev. Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung

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  • Rosenow, Jakob

    Projektkoordinator «Alles Glaubenssache? Prävention und politische Bildung in einer Gesellschaft der Diversität», Ev. Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung

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Standorte

Projektzeitraum

Das Projekt «Alles Glaubenssache?» hat zunächst eine Laufzeit bis zum 31. Dezember 2018. Eine Verlängerung über diesen Zeitraum hinaus wird angestrebt.

Förderer

«Alles Glaubenssache? Prävention und politische Bildung in einer Gesellschaft der Diversität» wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.