Evangelische Akademien Deutschland

Protestantisch. Weltoffen. Streitbar.

Die Evangelischen Akademien in Deutschland

25. August 2021 | Christliches Jugenddorfwerk Deutschland

Jugend will Klartext!

Warum wird die Stimme der Jugendlichen so häufig nicht gehört?


Im Juli befragten junge Menschen einige Vertreter*innen der Jugendorganisationen der im Bundestag vertretenen Parteien zu ihren Wünschen, Themen und Fragen live auf YouTube. Das Projektteam setzte sich aus neun Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren aus vier CJD Einrichtungen zusammen. Mit einem selbst entwickelten Online-Fragebogen wurden 285 junge Menschen aus ganz unterschiedlichen Kontexten erreicht. Sie formulierten ihre Fragen und Wünsche an die Nachwuchspolitiker*innen und sendeten diese ein. So kamen spannende Fragen, wie die nachfolgenden zusammen:

  • Wie lassen sich Schulen und generell das Bildungssystem besser digitalisieren?
  • Wie kann Partizipation von Jugendlichen politisch ermöglicht und gestärkt werden?
  • Wieso sollte ich in ein Demokratiesystem vertrauen, welches in diesem Jahrhundert keinen bemerkenswerten Wandel gebracht hat?
  • Wann wird Deutschland klimaneutral?
  • Wer entscheidet, ob eine Politikerin beziehungsweise ein Politiker qualifiziert ist und ausreichende Kompetenzen verfügt, um beispielsweise Ministerin oder Minister zu sein?

Zwei Stunden lang stellten sich dabei Maximilian Schulz (Bundessprecher der linksjugend [‘solid]), Manon Luther (stv. Bundesvorsitzende der Jusos), Anna Peters (Bundessprecherin Grüne Jugend), Maximilian Pohler (Landesvorsitzender der Jungen Union) und Nemir Ali (stv. Bundesvorsitzender Junge Liberale) den unterschiedlichen Themen und bohrenden Fragestellungen der Jugendlichen. Leider konnten nicht alle der über 200 eingereichten Fragen in die Diskussion einfließen. Das Projektteam erarbeitete aber sechs Themenblöcke, die möglichst viele der Fragen aufgriffen. Diese Blöcke waren: die Klimakrise, die Bildungskatastrophe und ihre Folgen, digitale Chancen, unser politisches System und die politische Mitwirkung, Selbstbestimmung sowie Diversität. An unterschiedlichen Stellen banden sie private Fragen ein. Beispielsweise gaben am Ende alle Diskutierenden eine Antwort auf die Fragen, ob Sie Angela Merkel vermissen werden oder was sie ihr verdanken.

Die Nachwuchspolitiker*innen gaben zu den vielseitigen Fragen differenzierte und kontroverse Antworten, stritten sich in der Sache und zeigten, wo es die größten Unterschiede zwischen den Parteien gibt. Besonders kontrovers wurde es bei dem Themenblock Selbstbestimmung und der Frage der Entkriminalisierung von Cannabis in Deutschland. Hier stellte sich beispielsweise heraus, dass die Junge Union ganz andere Ansichten hat, als die anderen Jugendorganisationen. Ähnlich hitzig wurde es bei der Frage nach der Absenkung des Wahlalters oder bei der Finanzierbarkeit alternativer Mobilitätsmöglichkeiten. Sehr einig waren die Diskutierenden hingegen bei der Beantwortung der Frage: Warum wird die Stimme der Jugendlichen so häufig nicht gehört? Alle forderten, dass es eine stärkere Beachtung von jungen Menschen geben muss und diese stärker in politische Prozesse einbezogen werden müssen. Dazu bedürfe es auch einer stärkeren politischen Bildung und entsprechenden Projekte, wie «Jugend will Klartext!»

Wie genau dort die Argumentationslinien lagen, können Sie dem Video der aufgezeichneten Veranstaltung entnehmen:

YouTube

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Junge Menschen wollen sich einbringen!

Die intensive Vorbereitung zwischen April und Juli konnte weitestgehend nur digital stattfinden. Dennoch nutzten die neun Jugendlichen des Projektteams die Chance, um sich intensiv einzubringen und die Veranstaltung partizipativ mitzugestalten. Viele Teilschritte, wie die Erarbeitung des Veranstaltungstitels, die Konkretisierung der Fragen und des Moderationsplanes sowie die Hintergrundrecherche zu den Diskutierenden, lag in den Händen der jungen Menschen. Sie übernahmen Verantwortung für ihr Projekt «Jugend will Klartext!»

Dies zeigt, dass junge Menschen den Raum und die Chance benötigen, um aktiv zu werden. Wenn ihnen aber die Möglichkeit gegeben wird, dann bringen sie sich engagiert und mit vielen kreativen Ideen ein. In dem Projekt ist es gelungen, Verantwortung zu übertragen, die Jugendlichen mit ihren Themen in den Mittelpunkt zu rücken und ihnen Gehör zu verschaffen. Dies kam auch als positives Feedback von den Teilnehmenden zurück. Da heißt es zum Beispiel: «Mir hat die Augenhöhe zwischen allen gefallen» oder «Es ist toll für die Interessen von Kindern und Jugendlichen ein Sprachrohr zu sein».

In Zukunft wollen wir im CJD Kindern und Jugendlichen noch mehr die Möglichkeit geben sich einzubringen, Räume mitzugestalten und Verantwortung für sich und ihre Zukunft zu übernehmen. Dies betrifft nicht nur zeitlich begrenzte Projekte, sondern auch den Alltag im CJD, in der Gesellschaft und die ganz individuellen Kontexte. Wir freuen uns schon heute auf die intensive Mitgestaltung der Jugendlichen und ihr Meinungen, denn das Projekt «Jugend will Klartext!» hat gezeigt: Es geht – und am Ende lohnt es sich für alle!

Ansprechperson: Konrad Magirius