Evangelische Akademien Deutschland

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18. Juli 2018 | Evangelische Akademie Thüringen

Demokratie spielend erleben

In Minecraft Gemeinschaft gestalten


Bereits zum dritten Mal fand in der Jugendbildungsstätte Junker Jörg in Eisenach eine Workshopwoche mit dem Computerspiel Minecraft als Methode statt. In der ersten Sommerferienwoche 2018 trafen sich 15 Jugendliche, um zum Thema Demokratie ins Gespräch zu kommen und im Spiel dazu zu bauen. Die Woche stand dabei ganz im Zeichen der Frage, was Demokratie für uns ausmacht: Wo findet Demokratie im Alltag und im eigenen Leben statt? Was unterscheidet sie von Diktaturen, Monarchien und anderen Regierungsformen? Und was heißt es, wenn Demokratie nicht nur als Staats-, sondern auch als Lebens- und Gemeinschaftsform verstanden wird?

In Minecraft erstellten die Teilnehmenden Gemeinschaftshäuser, in denen alle Platz fanden.

In Minecraft erstellten die Teilnehmenden Gemeinschaftshäuser, in denen alle Platz fanden.

Am Anfang steht die Verfassung

Ein zentraler Punkt des Workshops war das Regelboard, mit dem sich die Jugendlichen eine eigene Verfassung gaben. Gleich zu Beginn erarbeiteten sie Regeln, die für sie im Spiel Minecraft und außerhalb davon in ihrer Gemeinschaft gelten sollten. Jeden Tag wurden diese Regeln auf Aktualität und Anwendbarkeit überprüft und, wenn nötig, in teils hitzigen Diskussionen angepasst. Was anfangs etwas Zeit brauchte, wurde im Verlauf der Woche immer klarer: Wenn sich alle auf Verhaltensweisen für den Umgang miteinander einlassen, werden Kompromisse leichter und für schwierige Situationen werden schneller Lösungen gefunden, mit denen die Gruppe einverstanden ist. Auf diese Weise kann sich jede Person mit ihrer Meinung einbringen und wird von den anderen gehört.

Alle unter einem Dach – kann das funktionieren?

In Minecraft war es dann unter anderem Aufgabe der Jugendlichen, ein Haus zu errichten, in dem sich alle mit ihren Wünschen und Vorstellungen einbringen konnten. Dabei zeigte sich, wie schwer es mitunter sein kann, verschiedene Interessen zu vereinen. So konnten sich zwei Kleingruppen z.B. anfänglich nicht auf den Standort des gemeinsamen Hauses einigen: „Das hier ist unser Dorf und wir wollen nicht, dass hier gebaut wird“. Auf diese Weise bilden Erfahrungen im Spiel Herausforderungen gesellschaftlicher Prozesse ab, die thematisch aufgegriffen werden können. Nachdem sie sich vorher darauf verständigt hatten, lösten die Teilnehmenden Schwierigkeiten wie diese aber via Chat und kamen zu Einigungen.

Mehr als nur Minecraft

Die Jugendlichen arbeiteten jedoch nicht nur am Computer und in Minecraft. Die sommerlichen Temperaturen luden nach draußen ein und die Gruppe bewies Zusammenhalt und Einfallsreichtum bei Kooperationsspielen. In thematischen Einheiten und Diskussionen tauschten sie sich über ihr Verständnis von Demokratie, Respekt und Gleichberechtigung aus. So formulierten sie auch eigene Definitionen davon, was Demokratie für sie bedeutet.

Teambuilding Spiele im Grünen

Bei einem Besuch im Rathaus bei der Kinderbeauftragten Eisenachs und dem städtischen Jugendkoordinator stellte die Gruppe Fragen zum Thema Demokratie und Jugendbeteiligung in der Stadt. Auf die Frage, wo Kinder sich politisch beteiligen können, machte die Kinderbeauftrage Mut zum Engagement: „Das liegt ganz bei euch, in euren Einrichtungen, wo es um euch geht, wie z.B. in der Schule“. An den Institutionen und Bildungsträgern wiederum liege es, die Wichtigkeit der Beteiligung Jugendlicher ernst zu nehmen und entsprechend Möglichkeiten zu eröffnen.

Minecraft und Demokratie, geht das? „In der Schule haben wir eher theoretisch über Demokratie gesprochen, hier haben wir es praktisch erlebt“, fasst eine Teilnehmerin ihre Eindrücke der Projektwoche zusammen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Evangelischen Akademie Thüringen.

Kontakt: Jan Grooten