Evangelische Akademien Deutschland

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19. Juni 2017 | Intergenerationelle Familienakademie 2017

„Leg doch bitte mal das Ding weg!“

Digitale Begleiter im Familienleben


Internet, Smartphone und Co. als Störenfriede des Familienidylls? Die Teilnehmer*innen der Familienakademie 2017 sehen das anders. Unter dem Titel „Leg doch bitte mal das Ding weg!“ wurden Familien und ihre digitalen Alltagsbegleiter in den Fokus genommen. Alle Teilnehmenden konnten erfahren, was sie generationenübergreifend gemeinsam digital erkunden und erschaffen können, wie sie über unterschiedliche Vorstellungen vom Digitalen und seiner alltäglichen Nutzung ins Gespräch kommen, voneinander und miteinander lernen und ganz viel Neues entdecken können.

Familie digital – Fakten, Trends und Zukunftsszenarien

Genervte Eltern, drängelnde Kinder, ratlose Großeltern – Smartphone und Co. prägen längst auch das Zusammenleben in der Familie, und nicht immer gelingt ein guter Umgang damit. Die diesjährige Familienakademie auf Schloss Gollwitz bot ein Forum zum Austausch für alle Generationen jenseits der eigenen vier Wände. 60 Teilnehmer*innen, Großeltern, Eltern und Kinder, spielten, aßen und feierten miteinander und begaben sich in vier „Gestaltungsräumen“ auf die Suche nach Wegen, wie digitale Anwendungen den Familienalltag so begleiten, dass alle damit leben können. Problematische Aspekte der neuen Technologien wurden dabei beleuchtet, aber auch Vorurteile abgebaut und Chancen für neue Kreativität und Gemeinsamkeiten entdeckt. Aber zuallererst wurde gemalt – Kennenlernen zum Thema: Was mögen wir an der digitalen Welt und was nicht?

Brainstorming Familie digital: Was mögen wir an der digitalen Welt und was nicht?

Gemeinsames Brainstorming: Was mögen wir an der digitalen Welt und was nicht?

Der erste Gestaltungsraum begann im Workshop „Familie digital – Fakten, Trends und Zukunftsszenarien“ mit einem Überblick über Nutzungsgewohnheiten aller Altersgruppen und angeregten Diskussionen um Mediennutzung, sowie Chancen und Gefahren von instagram, snapchat und youtube. Gleichzeitig gab es für Kinder und Jugendliche eigene Workshops: Wie funktioniert das Internet? Was kann ein Smartphone alles und was sollte ich über Fotos im Netz, Privatsphäre und personenbezogene Daten wissen? Was ist Cybermobbing? Bei den Älteren ging es außerdem um Fallbeispiele aus dem Urheberrecht, das Recht am eigenen Bild und Prank-Videos. Nach der Theorie durfte natürlich auch die Praxis nicht zu kurz kommen: Die Kinder drehten mit Tablets kleine Spielszenen zum Thema und stellen sie der ganzen Gruppe vor.

Alle an die Handys und raus!

Mobile Abenteuer und spielerische Formate kamen auf der Familientagung nicht zu kurz: Die „Actionbound“ – Schnitzeljagd erstreckte sich über das gesamte Gelände des Schlosses Gollwitz – mit Quiz, Video-Challenge, Audio-Aufgaben, QR-Codes-Suche und Fragen rund um die Familienakademie…. Das Motto: Alle an die Handys und raus! Welche Gruppe ist am schnellsten unterwegs? Einen Actionbound kann man sich übrigens auch selbst basteln.

Parallel fand eine Einführung zu Minecraft statt – „Zusammen an der Stadt unserer Träume bauen.“ Höhepunkte sind die Präsentation des Gebauten bei der Abschlussandacht – paradiesische Wasserschlösser, eine moderne Kirche und ganz viel Grün gibt es da zu sehen. Die Minecraft – Auferstehungsgeschichte zeigte zudem noch komplexere Nutzungsmöglichkeiten auf.  Weitere spannende Spieloptionen mit Mehrwert beschreiben die „serious games“.

Bei einer Runde mit digitalen Tipps von allen und für alle kamen die Generationen vertieft ins Gespräch darüber, was jede und jeder täglich digital unternimmt und warum bestimmte Dinge im digitalen Raum für manche Faszination entfalten und für andere nicht. Die Teilnehmenden erfuhren von spannenden Nutzungen verschiedener sozialer Medien, von interessanten Spielen, Suchmaschinen, Lernfilmen und -hilfen, Bildbearbeitungen, Bibelleseapps … und natürlich gab es auch Hinweise auf Vieles, was analog immer noch schöner ist oder einfach schneller funktioniert.

„Tablets sind nicht so chic, die fallen runter und sind kaputt.“

Beim Planspiel „Schulkonferenz“ wurden Vereinbarungen über die Nutzung von Handys innerhalb und außerhalb des Unterrichts und über die Frage von digitalen Medien im Unterricht getroffen: Mit welchen Geräten und welcher Software soll die Schule ausgestattet werden? Dürfen Smartphone und Co. im Unterricht genutzt werden, oder nur in bestimmten Zonen? Welche Themen der digitalen Welt sollen im Unterricht vorkommen?

Familie digital: Kinder als Mitgestalter der digitalen Zukunft

Kinder als Mitgestalter der digitalen Zukunft

Enthusiast*innen, Unentschlossene, Skeptiker, Kinder und Jugendliche erarbeiteten in verschiedenen Gruppen ihre Standpunkte, verhandelten hart. Wertvoll im intergenerationellen Dialog waren insbesondere die klar geäußerten Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, worüber sie reden und mehr lernen möchten. Überraschend war zudem die große Einigkeit beim Punkt „keine Handynutzung in der Schule“. Unterschiedlich waren die Standpunkte bei den Fragen, wie üppig die Digitalisierung der Klassenräume ausfallen soll, wer die technische Wartung übernimmt und ob es Smartboards wirklich braucht. Die Jugendlichen möchten lieber für jede Schülerin und jeden Schüler einen eigenen Computer, der auch fest installiert sein darf, denn „Tablets sind nicht so chic, die fallen runter und sind kaputt.“

Abschließend lieferte Katja Reim mit einer Lesung aus ihrem Buch „Ab ins Netz?!“ viel Stoff für die Fortsetzung der Diskussion um die Heranführung von Kindern an die digitale Welt, Regeln in der Familie und problematische Netzinhalte. „Damit unsere Kinder nicht nur Konsumenten, sondern Mitgestalter der digitalen Zukunft werden können, müssen wir sie von Anfang an konstruktiv begleiten und die Werte aus der analogen Welt gemeinsam übersetzen,“ so Reim.

Die nächste Familienakademie wird Pfingsten 2018 vom 18. bis 21. Mai 2018 auf Schloss Gollwitz stattfinden. Das Thema wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Autorin: Claudia Schäfer