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Real World Stories

Mit Rätselgeschichten globale Perspektiven entdecken


Mit den Real World Stories ist im Netzwerk der Evangelischen Trägergruppe ein Kartenspiel entstanden, das dazu einlädt, gesellschaftliche Fragen neugierig zu erkunden und neue Perspektiven einzunehmen. Die Methode orientiert sich an den sogenannten „Black Stories“: In kleinen Gruppen versuchen Jugendliche durch gezielte Ja-Nein-Fragen herauszufinden, was in dem vorgegebenen Szenario passiert ist, wer gehandelt hat und warum. Anders als bei klassischen Black Stories greifen die Real World Stories jedoch reale gesellschaftliche Ereignisse und globale Zusammenhänge auf. Der Rätselcharakter regt die Fantasie der Spielenden an und eröffnet einen spielerischen Zugang zu anderen Lebensrealitäten. So entstehen Empathie und Neugier für Geschichten von jungen Menschen in anderen Teilen der Welt. Gleichzeitig wecken die Stories Interesse an den Hintergründen der Ereignisse, die im Spiel bewusst nur angedeutet werden. Weiterführende Lesetipps ermöglichen es anschließend, die Themen weiter zu erschließen und politische Zusammenhänge einzuordnen.

Der Weg von der ersten Idee zum fertigen Spiel war länger als gedacht. Ausgangspunkt war eine Sammlung von Themen aus den Bereichen Klimakrise, Konsum, Mobilität, Ernährung, globale Gerechtigkeit, Engagement von Jugendlichen und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Schnell wuchs die Liste an Ideen, doch die eigentliche Arbeit begann bei der Frage, wie sich Ereignisse – etwa die Entdeckung des Ozonlochs – in spannende Rätselgeschichten verwandeln lassen.

Der kreative Prozess vom Thema zur Rätselstory

Ein gelungenes Rätsel funktioniert nur, wenn es gut gestellt ist. Das umzusetzen war deutlich schwieriger, als einen informativen Text über die Ereignisse zu schreiben. Jede Rätselgeschichte braucht genügend Anhaltspunkte, muss aber zugleich kurz und pointiert bleiben und darf die Spielenden auch einmal in die Irre führen. Das Feilen an Sprache und Aufbau war ein kreativer Prozess, der das Entwicklungsteam vor Herausforderungen stellte und zugleich viel Freude bereitete.

Der anschließende Praxistest zeigte: manche Ideen funktionierten auf Anhieb, andere brauchten mehrere redaktionelle Überarbeitungen, bis sie den richtigen Charakter hatten – nachvollziehbar und dennoch überraschend, nah an der Lebenswelt junger Menschen, aber nicht banal. Die Jugendlichen nahmen die Methode begeistert auf und entwickelten sogar Ideen für eigene Geschichten. Dieser iterative Prozess machte deutlich: Gute politische Bildung entsteht nicht auf Anhieb. Sie lebt vom gemeinsamen Erproben und Weiterdenken.

Dem Projektteam war während der Entwicklung besonders wichtig, mit den Stories Geschichten zu erzählen, die Mut machen, reale Probleme benennen und zum Nachdenken anregen. Überraschende Wendungen sollten das Rätsel spannend halten, zugleich sollten globale Perspektiven sichtbar werden und zeigen, wie unterschiedlich Menschen weltweit handeln. Dabei erschien ein konkretes, szenisches Erzählen besonders wichtig, um Jugendlichen ein Eintauchen in die Geschichten zu ermöglichen. Mit diesen Prämissen sollten Stories entstehen, die Vielfalt sichtbar machen und Herausforderungen im Globalen Süden nicht ausschließlich aus westlicher Perspektive darstellen, sondern auch die Handlungsmacht marginalisierter Gruppen aufzeigen. Denn auch Jugendliche erleben sich häufig als Menschen mit begrenzten Macht- und Einflussmöglichkeiten. Dass die gewählten Geschichten Personen vorstellen, die nicht immer politisch aktiv waren oder ihre Ziele oft erst nach vielen Jahren erreichten, war deshalb eine bewusste Entscheidung. So sollte ein realistisches Bild von Engagement entstehen, das Mut zu Ausdauer macht und verhindert, dass Rückschläge vorschnell als Scheitern wahrgenommen werden.

Im Praxistest war besonders spannend zu beobachten, welche Fragen Jugendliche stellten. Oft gingen diese weit über das eigentliche Rätsel hinaus: „Wie kann man solche Aktionen bei uns umsetzen?“ oder „Warum wird über diese Geschichte so wenig berichtet?“ Hier eröffnen sich Anknüpfungspunkte für Gespräche und eigenes Handeln. Mit den 15 Geschichten deckt das Kartenset ein breites Spektrum an Themen nachhaltiger Entwicklung ab und ermöglicht vielfältige thematische Zugänge. Damit eignet sich das Spiel sowohl als Warm-up als auch als thematische Hinführung zu Workshops aus dem Themenbereich. Hier ein paar Einblicke:

 

Die wiederholten Überarbeitungsrunden haben bestätigt, dass gute Rätselgeschichten erst im Zusammenspiel mit der Zielgruppe entstehen. Real World Stories ist deshalb bewusst als lernendes und offenes Konzept angelegt. Die Online-Version des Spiels lässt sich flexibel erweitern, perspektivisch ist auch eine ergänzte gedruckte Version denkbar. Das Entwicklungsteam freut sich darauf, das Konzept weiterzuführen.

Kontakt: Thea Jacobs