Vitalisierung ländlicher Räume

Modellprojektreihe der Evangelischen Akademien Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Wittenberg im Rahmen des Bundesprogramms "Zusammenhalt durch Teilhabe"

Die ländlichen Gemeinden in den ostdeutschen Bundesländern stehen vor speziellen Herausforderungen. Junge Leute, insbesondere Frauen, wandern ab, weniger und ältere Menschen bleiben zurück. Die Infrastruktur dünnt sich aus, das Angebot nimmt ab, Arbeitsplätze gehen verloren. Insgesamt verändern sich dörfliche Strukturen und Milieus. Damit erhöht sich gleichzeitig die Gefahr von politischem Extremismus.

Diese Entwicklung aufzuhalten und im Idealfall zu stoppen ist das Ziel des von Bundesinnenministerium und der Bundeszentrale für politische Bildung initiierten Programms "Zusammenhalt durch Teilhabe". Im Rahmen dieses Programmes setzen die Evangelischen Akademien in Deutschland ihren Schwerpunkt darauf, verschiedene Generationen zusammen zu bringen, um so bestehende gesellschaftliche Strukturen wie Vereine und Initiativen zu stärken und womöglich neue zu entwickeln. Mit diesem Ziel haben die Akademien in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen drei Modellprojekte entwickelt, die in den nächsten zwei Jahren umgesetzt werden. Die Projekte werden wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Damit sollen geprüft werden, in wieweit das übereinander, voneinander und miteinander Lernen ein Motor für die Entwicklung von Zukunftsperspektiven in den ländlichen Räumen sein kann.

Als Modellprojekte finden statt:

  • Evangelische Akademie Thüringen:
    DDR-Geschichte als intergenerative Herausforderung und Impuls im ländlichen Raum

    Kommunikation ist die Grundlage für das Miteinander der Generationen. Die sehr unterschiedlichen Erfahrungen und Erlebnisse der DDR-Zeit und des Umbruchs 1989/90 erschweren teils heute noch das notwendige Gespräch zwischen Jung und Alt. Jugendliche wissen meist wenig und wenn, dann eher Tendenziöses über Anpassung oder Widerstand der Eltern- und Großelterngeneration. Wir wollen Generationen in ländlichen Regionen Thüringens durch die Beschäftigung mit lokaler, jüngerer Zeitgeschichte ins Gespräch bringen. Ein besonderer Blick gilt dabei auch Lebenslagen von Männern auf dem Lande. Gerade ihre Lebensentwürfe wurden durch die Arbeitswelt, durch gesellschaftlichen Wandel und in den Sozialbeziehungen starken Veränderungen unterworfen. Über historische Zugänge (Zeitzeugenarbeit, historische Orte, lokale Ereignisse) kombiniert mit einem geschlechtsspezifischen Blick (Vater-Sohn bzw. Großvater-Enkel) wird die Auseinandersetzung mit der eigenen, ländlichen Lebenswelt befruchtet; kritisches Urteil, Sozialkompetenz, Lebensorientierung und gesellschaftliches Engagement kann daran wachsen.
    Projektleitung: Jürgen Reifarth, Ev. Akademie Thüringen
    Zinzendorfplatz 2, 99192 Neudietendorf
    Tel: 036202 - 984-0, E-Mail: reifarth@ev-akademie-thueringen.de
  • Evangelische Akademie Mecklenburg-Vorpommern
    Intergenerativer Gemeinsinn im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns

    Der demografische Wandel wirkt sich zunehmend auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt im ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommerns aus. Manche Gebiete leeren sich zusehends, verlässliche Begegnungsorte wie die traditionelle Dorfkneipe oder der kleine Lebensmittelladen verschwinden. Nicht selten vermissen Bürgerinnen und Bürger in ihrer Gemeinde ein lebendigeres Miteinander. Wie können Menschen - Jung wie Alt - ermutigt und unterstützt werden, sich für ihre Bedürfnisse und Interessen in ihrem eigenen Lebensumfeld einzusetzen? Was brauchen sie dafür? In zwei ausgewählten Kommunen der Landkreise Rostock und Vorpommern-Rügen wird das Potenzial intergenerativer Gruppen für die Gestaltung eines demokratischen Gemeinwesens erprobt und ein Forum zur Kommunikation und Vernetzung geschaffen. Die "Regionalzentren für demokratische Kultur" im Landkreis und der Hansestadt Rostock sowie Vorpommern-Rügen bilden dabei eine konstruktive Schnittstelle.
    Projektleitung: Tatiana Volkmann
    Tel.: 0176 - 64 62 40 80, E-Mail: volkmann@regionalzentren-eamv.de
    Ev. Akademie Mecklenburg-Vorpommern, Am Ziegenmarkt 4, 18055 Rostock
  • Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt:
    Teilhabe vor Ort - gestalten und anerkennen

    Die Ev. Akademie Sachsen-Anhalt will mit ihrem Projekt Akteure und Initiativen vor Ort stärken. Das Projekt konzentriert sich auf kleinere Städte entlang der Elbe an den Grenzen der Bundesländer Sachsen-Anhalt, Sachsen und Brandenburg. Auf Grundlage einer umfassenden Erfassung bestehender Kommunikations- und Beteiligungsformen werden konkrete regionale Defizite und Stärken beschrieben und daraus Handlungsfelder für die Weiterentwicklung demografischer Teilhabe definiert. Schwerpunkte sind die Bewältigung des Generationenüberganges innerhalb bestehender Initiativen, neue Modelle und Formen von Beteiligung auf Augenhöhe sowie die Entwicklung einer Anerkennungskultur auf Basis der individuellen Handlungsmotive. Die Projektteilnehmer arbeiten in Werkstätten, Seminaren und Fachgesprächen zu den einzelnen Handlungsfeldern. Projektkonferenzen die (Zwischen-) Ergebnisse und formulieren die nächsten Aufgaben. Virtuelle Beteiligungsformen dienen als Unterstützermedien. Die Ev. Akademie Sachsen-Anhalt wird bei dieser Arbeit durch Wissenschaftler der Universität Leipzig und des Institutes für Angewandte Geoinformatik und Raumanalysen e. V. (Institut AGIRA), Dessau unterstützt.
    Projektleitung: Siegrun Höhne, Ev. Akademie Sachsen-Anhalt
    Schlossplatz 1d, 06886 Lutherstadt Wittenberg
    Tel: 03491/4988-46, E-Mail: hoehne@ev-akademie-wittenberg.de

Gesamtansprechpartner:
Dr. habil. Klaus Holz
Tel. 030/28395-410
holz@evangelische-akademien.de